Gesundheits- und klinisch-psychologische Leistungen als Sachleistung der Sozialversicherung

Die teilweise aufgeregt und unsachlich verlaufenen Diskussionen der letzten Wochen zum Thema der psychologische Behandlungskompetenz (“Burnout-Diskussion”, “psychologische auf Krankenschein”) haben wir mit Interesse, aber auch mit Besorgnis verfolgt und sind nicht umhin gekommen, dem Gesundheitsminister und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger unsere Fach­meinung zu dieser Thematik zu übermitteln. Im Nachstehenden finden Sie die wesentlichsten Argumentationspunkte unseres Schreibens.

Als unabhängige berufliche der Gesundheits- und Klinischen Psycho­logInnen ist uns natürlich die Aufnahme zusätzlicher psychologischen Leistungen in den Leistungskatalog der Pflichtversicherung ein sehr wichtiges Anliegen. Allerdings greift die mediale Darstellung in den letzten Wochen zu kurz und wird einer differenzierten Darstellung der Problematik nicht gerecht.

Die klinisch-psychologische ist ja bereits eine Sachleistung der Sozial­versicherung und hat sich als wertvolle gesundheitsbezogene Maßnahme erwiesen, vor allem auch als Möglichkeit, festzustellen, ob und inwieweit bei den uns zugewiesenen PatientInnen psychische Störungen vorliegen und welche situativen Änderungen, Änderungen der Lebensführung und weiterführenden Behandlungsmaßnahmen aus psychologischer Sicht zu empfehlen sind.

Dies sind unter anderem explizit klinisch-psychologische Interventionen — wie gesundheits­psychologische Beratungen und klinisch-psychologische Behandlungen — die unserer Berufs­gruppe vorbehalten sind. Organisations- und arbeitspsychologische Beratungen und Interventionen werden auch von PsychologInnen anderer Fachrichtungen durchgeführt, und im psychotherapeutischen Bereich sind neben PsychologInnen natürlich auch noch andere Berufsgruppen als PsychotherapeutInnen tätig.

Einerseits können nicht alle gesundheitsbezogenen Maßnahmen Pflichtleistungen der Sozialversicherung sein, andererseits gibt es im Vorfeld und im Bereich psychischer Störungen eindeutig Versorgungslücken, vor allem aber auch in der psychologischen Betreuung von chronischen Kranken an der Schnittstelle von stationärem und ambulantem Bereich.

Daraus ergibt sich aus der Sicht unserer Berufsgruppe die Notwendigkeit einer umfassenden sachlichen Diskussion, welche alle involvierten Berufsgruppen einbezieht und ohne parteipolitisches Kalkül dazu beitragen sollte, dass einerseits Parallelstrukturen vermieden und andererseits explizite Versorgungslücken geschlossen werden können.

Ein Anliegen von uns ist auch die Präzisierung der Tätigkeiten und Leistungen von Gesundheits- und Klinischen PsychologInnen, unter anderem auch, um für Leistungsträger, KlientInnen und PatientInnen mehr Transparenz zu bieten. Wir erhoffen uns eine solche Präzisierung durch die geplante Novelle des Psychologengesetzes.

Abschließend wollen wir nochmals den Wunsch nach einer gesetzlich verankerten politisch unabhängigen Berufsvertretung der im tätigen PsychologInnen depo­nieren, die als kompetenter und verlässlicher Gesprächs- und Verhandlungspartner wahrgenommen wird. Die aktuelle Diskussion zeigt unter anderem auch, dass die derzeitige Lösung — verschiedene Vereine sehen sich als Interessenvertretung, und wesentliche Auf­gaben einer Berufsvertretung werden vom Gesundheitsministerium übernommen — den zukünftigen Anforderungen nicht gerecht werden kann.

Eine weiterführende sachliche Diskussion der Thematik bietet sich an und wäre in unserem bis dato leider viel zu wenig genutzten Informations- und Diskussionsforum gut aufgehoben und abwickelbar. Klicken Sie einfach auf den nachstehenden Link, wenn Sie etwas zur Diskussion beitragen wollen…

http://info.psychologenforum.at/index.php?topic=97.0

via Psychologenforum: Aktuelle Infos.

Ö.P.F.-Standpunkt zu Diskussion um psycholog.

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